'ad sanctos aureos', Basilika St. Gereon, Köln, 2000

'ad sanctos aureos', Basilika St. Gereon, Köln, 2000
'ad sanctos aureos', Basilika St. Gereon, Köln, 2000

'ad sanctos aureos', Basilika St. Gereon, Köln, 2000
SPIRIT MOVE I, 2000, 96 x 96 cm, Pigment/Lack auf Nessel / Holz, pigment/lacquer on cotton/wood, private collection
LUIZID, 1992 (3-4) / DAS NAMENLOSE, 1998 / LUIZID, 1992 (1)
LICHT-SET 2, 1990, 250 x 52 cm, Pigment/Acryl auf Nessel, pigment/acryl on cotton, 2-teilig, 2 pieces
GOLD-ROT, 1990, 95 x 57 cm, Pigment/Acryl auf Nessel, dreiteilig, pigment/acrylic on cotton, three pieces, private collection
ROT / GOLD, 1990, 175 x 114 cm, Pigment/Acryl auf Nessel, pigment/acryl on cotton, Collection Karl Ernst Osthaus-Museum, Hagen
DAS NAMENLOSE V, 1998, 45 x 45 cm, Pigment/Lack auf Nessel, pigment/lacquer on cotton

Licht weckt Leben / Arbeiten von Rosa M Hessling / Text von Sabine Müller, Kölner Stadtanzeiger, Freitag, 18. August 2000

In einem Kirchenraum wie der romanischen Kölner Basilika St. Gereon kann man nicht einfach ein paar Bilder an die Wand hängen. Obwohl die formale Geschlossenheit dieses großartigen, von zehn Konchen bekränzten Zentralbaus eine ausgesprochen ruhige und würdevolle Atmosphäre garantiert, scheinen weder die runden Wände noch der rohe, graue Verputz besonders für die Installation von Bildern geeignet. Rosa M Hessling indessen zeigt zurzeit dort Bilder, genauer gesagt 23 Bilder aus Pigment, Acryl, dann auch Lack auf Nessel, bei denen man schnell vergisst, dass es sich überhaupt um Bilder handelt.

Denn in diesen Bildern scheint die Materie ganz in Licht umgewandelt. Ihre Oberflächen geben sich zunächst verhalten, den Grau- und Ockertönen der Wand der Kirche angepasst. Erst wenn das Licht auf diese Bilder trifft, werden sie zum Leben erweckt. Die Farbe wird zur immateriellen Erscheinung in Silber-, Gold- und Kupfertönen auf der Wand, als ob das Licht es wäre, das sie daraus hervorgezaubert hat.

Wenn Rosa M Hessling ihre Installation "ad sanctos aureos" - auf Deutsch: "zu den goldenen Heiligen" - nennt, spielt sie damit auf die fast irreale Wirkung der Bilder an wie auch auf die Tatsache, dass die Konchen einst mit Goldmosaiken belegt waren. Nicht nur die häufig sehr langgestreckte Form der Bilder, auch ihre Ausstrahlung in den Raum gibt ihnen eine skulpturale Dimension: Sie scheinen sich von der Wand zu lösen. Diesem Hervortreten entspricht umgekehrt eine Bildtiefe, die dem näher tretenden und verweilenden Betrachter einen Blick in eine visionäre Wirklichkeit gestattet.
Man muss sich den spirituellen Aspekt von "ad sanctos aureos" nicht unbedingt zu Eigen machen, um diese Bilder als Fest für die Sinne genießen zu können. Rosa M Hessling hat hier einen interessanten Querschnitt ihrer Arbeit aus den letzten zehn Jahren zur Ansicht und Kenntnisnahme gebracht, wobei allerdings jene recht umfangreiche Werkgruppe ausgspart blieb, bei der die Künstlerin das Leichtmetall Aluminium als Bildträger verwendete.

Bruchloser Wechsel

Wenn Rosa M Hessling auch - in Sonderheit durch die fein abgestimmte Rhythmisierung des Raumes mit unterschiedliche Formaten, kühlen und warmen Farbtönen - eine homogene Inszenierung mit bruchlosem Wechsel zwischen älteren und jüngeren Arbeiten gelang, so lässt sich, man muss mit Nachdruck darauf verweisen, denn doch eine deutliche Veränderung in den Bildern der letzten beiden Jahre feststellen. Gerade das jüngste Werk, das in der Vorhalle gegenüber der Eingangstür platziert ist, verkörpert durch den Gegensatz zwischen der völligen Unscheinbarkeit "im Ruhezustand" und der bei Lichteinfall schlagartig aufscheinenden, farbintensiven Strahlkraft eine geradezu halsbrecherische Wandlungsfähigkeit.